Farben der Lebensfreude - Thailand
|
Die Blume des Buddha Der Buddhismus ist in Thailand Staatsreligion. Weit mehr als 90 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Theravada-Buddhismus. Doch verbirgt sich hinter dieser sachlichen Feststellung eine reiche und in ihrer Fremdheit bezaubernde Welt, die es bei einer Reise durch das bunte Land zu entdecken gilt. Denn zum einen prägen buddhistische Tempel, Statuen, Symbole und Bräuche das Land ebenso sehr wie den Alltag seiner Bewohner. Zum anderen hat sich der Buddhismus in Thailand alles andere als abgeschottet – und so ist es über die Jahrhunderte in Thailand zu einem komplexen, faszinierenden und für westliche Besucher vielleicht bisweilen verwirrenden Nebeneinander von buddhistischen und hinduistischen Bräuchen mit viel Raum für Folklore, Götter, Geister und Dämonen gekommen. |
|
|||||||||
| Schaurige Legenden, geheimnisvolle Märchen und religiöse Lehren gehen im Land des Lächelns fließend ineinander über und lassen eine Welt entstehen, in der – so scheint es – Menschen, Geister und Gottheiten neben- und miteinander leben.
Einen festen Platz im Hinduismus, im Buddhismus und in den von Generation zu Generation weitergegebenen Traditionen Thailands besitzt zum Beispiel die in ihrem Anmut vollkommene Lotosblume, die noch jeden verzaubert hat, der mit eigenen Augen sehen durfte, wie sich ihre grazilen weißen, lilanen oder roten Blüten auf Seen, Kanälen und sogar auf den sumpfartigen Gewässern in Thailand ausbreiten, so dass selbst diese zum Bestandteil der unwirklich schönen, märchenhaften Landschaft werden. Eine der wundersamsten Gelegenheiten, sich von der Magie der Lotosblüten entführen zu lassen, ist das Lotosblüten-Fest in Thailand: Einmal im Jahr, zum Ende der buddhistischen Fastenzeit im Oktober, kommen in Bang Phli Menschen aus ganz Thailand zusammen, um an diesem Ort, der für seine zahlreichen, besonders schönen Lotosblumen bekannt ist, dem Buddha Luang Poh To Lotosblüten darzubringen. In jedem Jahr wird eine Nachbildung des Buddha aus dem dortigen Tempel in einem in Gold und bunten Farben mit Bändern und Blumengirlanden geschmückten Boot den Kanal hinuntergefahren. An den Ufern des Kanals erwarten zu diesem Zeitpunkt bereits Hunderte von ausgelassen gestimmten Menschen den Buddha, um ihm ihre Lotosblüten zuzuwerfen – bis schließlich die gesamte Statue von Blumen überschüttet ist und unzählige Blüten die Wasseroberfläche und das Ufer bedecken. Die Lotosblüte gehört sicher zu den anmutigsten Symbolen im Buddhismus. Sie verweist auf die Reinheit von Geist (weißer Lotos) und Herz (roter Lotos), auf den Zustand vollkommener Harmonie und Reinheit. Wer einmal eine der majestätischen Darstellungen des auf einer Lotosblüte sitzenden Buddha sehen durfte, kann leicht nachvollziehen, warum gerade die makellos geformte, zarte und doch zugleich starke Blüte des Lotos zu einem zentralen Symbol gerade dieser ›sanften‹ Religion werden konnte. Und so möchte man auch der Legende glauben, die überliefert, dass Padmasambhava, eine Inkarnation des Buddha, aus einer Lotosblüte auf einem See geboren wurde. Passend trägt dieser Buddha auch den Namen Der Lotos-Geborene. Doch nicht nur der Lotos-Geborene wird immer wieder mit der lilienartigen Blüte dargestellt. Tatsächlich gehören Lotosblüten beinahe unumstößlich zu Buddha, ob als Blüte in der Hand des Erleuchteten oder aber als stilisiertes Ornament in seinem Tempel. Die Lotosblüte ist aber auch ein Sinnbild für die buddhistische Lehre selbst – für den Weg von materialistischen und sinnlichen Begierden hin zu einem Zustand der reinen Seele und Erleuchtung des Geistes: Mit seinen Wurzeln im Schlamm wächst der Lotos auch im Schmutz, um auf jedem trüben Wasser, in jeder noch so unreinen Umgebung eine wunderschöne Blüte zu entwickeln, an der aller Schmutz abprallt. Doch viele Menschen in Thailand geben sich nicht mit dem Lotos-Geborenen zufrieden. Sie verehren ebenso andächtig auch die Hindu-Gottheit Brahma, die in Thailand allerdings Phra Phrom heißt. Brahma bzw. Phra Phrom, der vierköpfige Gott der Schöpfung, wurde, einer von mehreren Überlieferungen zufolge, aus einer Lotosblüte geboren, die aus dem Nabel des vierarmigen Vishnu wuchs. Ihm zu Ehren wurde mitten in der Innenstadt Bangkoks, vor dem heutigen, opulenten Grand Hyatt Erawan Hotel, ein majestätischer, goldener Schrein errichtet, zu dem bis heute jedes Jahr Tausende von Menschen pilgern, um für die Erfüllung ihrer Wünsche zu bitten und dem Brahma Opfergaben darzubringen. Der Schrein ist fast immer mit üppigen Blumengebinden in leuchtenden Farben geschmückt, und Tänzer vor dem Schrein unterstützen die Gebete der Bittenden. Sicher lässt sich beim Besuch dieses Schreins auch nachvollziehen, warum einige Besucher und Gläubige die Kommerzialisierung des Glaubens ins Thailand kritisieren. Andererseits scheint der fröhliche, undogmatische Umgang mit Religion sicher nicht das schlechteste Vorbild zu sein in einer Zeit, in der der Kampf der Religionen für schwere Spannungen und Konflikte in der Welt Verantwortung trägt. Schon beinahe stereotyp werden in Reiseführern immer wieder Offenheit, Interesse und Aufnahmebereitschaft der Thais betont – nirgendwo zeigt sich dies so deutlich wie im lebensbejahenden Umgang der Thais mit den sie umgebenden Religionen. Und es ist wohl dieser sprichwörtlichen lächelnden Offenheit zu verdanken, dass Thailand – fremd und zugleich anziehend – seine Besucher zu bezaubern vermag wie kaum ein anderes Land dieses riesigen Kontinents .... Die magischen Lotosblüten mögen aber daran auch nicht ganz unbeteiligt sein. Besonderheiten
|
||||||||||






